Zwischen Nostalgie und Visionen – ein Tag im Erwin Hymer Museum
Der Sommer am Bodensee ist für sich genommen schon ein Highlight. Sonne, Wasser, Alpenpanorama – und natürlich die perfekte Gelegenheit, dem eigenen Van ein paar Traumkilometer zu gönnen. Für mich stand dieses Jahr aber noch etwas anderes auf dem Programm: Ein kleiner Abstecher zum Erwin Hymer Museum in Bad Waldsee.
Wenn man schon in einem Jahr sowohl das Mercedes-Benz Museum als auch das Porsche Museum in Stuttgart besucht hat, fehlt zum automobilen Glück nur noch eins: eine Ausstellung rund ums Caravaning, Vanlife und die gute alte Freiheit auf vier Rädern.
Und genau das versprach das Hymer Museum – inklusive einer Sonderausstellung zu „75 Jahre Bulli“. Da schlägt mein Hannoveraner-Herz natürlich höher.
Erster Eindruck: Wow – und zwar von außen
Als alter Eriba-Fan und Freund von gutem Design war meine Neugier entsprechend groß. Und ja, der erste Eindruck täuscht nicht: Der markante rote Bau mit der riesigen Glasfront wirkt wie ein Mix aus futuristischem Terminal und Designmuseum. Eine Art architektonisches „Komm rein, hier wartet die große Reise!“. Und genau das hat bei mir sofort funktioniert.
Das Gebäude selbst ist schon ein Statement: groß, modern, offen – und perfekt geeignet, die Geschichte des mobilen Reisens zu erzählen.
Innen: Schön gemacht – aber… überschaubar
Drinnen geht es direkt stilvoll weiter.
Große Räume, viel Licht, liebevoll gestaltete Themenbereiche – und tatsächlich eine schöne Zeitreise durch die Welt der mobilen Freiheit:
- historische Caravans
- frühe Wohnmobil-Prototypen
- Reisewagen aus den 50ern bis 80ern
- Design-Raritäten
- alte Campingmöbel, Technik & Zubehör
Und natürlich:
Die Sonderausstellung „75 Jahre Bulli“ – klar, mein persönliches Highlight.
Was mich allerdings überrascht hat:
Die Anzahl der ausgestellten Bullis war… sagen wir: überschaubar. Sieben ausgewählte Camping-Fahrzeuge aus der eigenen Sammlung und der Sammlung von Volkswagen Nutzfahrzeuge – darunter Studien, Sondermodelle und Selbstausbauten. Liebevoll präsentiert, aber für einen echten Bulli-Nerd hätte es gerne etwas mehr sein dürfen.
Auch die Hauptausstellung selbst war eher kompakt. Interessant – ja. Aufwendig gemacht – auf jeden Fall. Aber man ist doch schneller durch, als man es von einem so imposanten Gebäude erwarten würde.
Mein ehrliches Fazit
Wenn du sowieso am Bodensee unterwegs bist und Lust auf eine kleine Zeitreise durch die Geschichte des Campings hast, dann solltest Du unbedingt vorbeischauen. Es ist stylisch, es ist charmant, es ist ein schöner Zwischenstopp mit viel Herzblut. Wenn du aber planst, extra dafür einen größeren Umweg zu fahren, dann würde ich sagen, das lohnt sich vor allem für:
- Hymer-Ultras,
- Eriba-Freunde,
- oder Hymer-Fahrer, deren Fahrzeug gerade im Werk nebenan steht.
Für alle anderen ist es ein netter, inspirierender Abstecher – aber kein „Must-See“, für das man stundenlang durchs Land fährt.
Nützliche Infos zum Erwin Hymer Museum
Adresse:
Erwin Hymer Museum
Robert-Bosch-Str. 7
88339 Bad Waldsee
Öffnungszeiten:
Täglich 10–18 Uhr
(Juli & August oft verlängerte Öffnungszeiten)
Eintritt:
Ca. 12–15 € für Erwachsene (je nach Saison & Sonderausstellung)
Highlights:
- über 80 historische Fahrzeuge
- Manchmal Sonderausstellungen rund um Bulli, Camping & Vanlife
- begehbare Zeitachsen
- interaktive Bereiche
- Restaurant & Shop
- gute Parkmöglichkeiten fürs Wohnmobil
Kurz gesagt:
Das Museum ist wie ein schöner Roadtrip:
Kurzweilig, inspirierend, nostalgisch – aber nicht unbedingt episch lang.
Für mich war’s ein gelungener Stopp auf meiner Bodensee-Runde, auch wenn der „Bulli-Anteil“ etwas mehr hätte sein dürfen.
Aber hey — vielleicht ruft mich das Museum ja nochmal wieder, wenn Erwin Hymer zum nächsten Jubiläum ein paar der alten Schätzchen mehr aus der Halle rollt.
