Praia da Marinha: Wandern und Wellenbaden im Herbst
Kennt ihr dieses Gefühl? Man kommt an einen Ort, nimmt zwei Atemzüge – und denkt sich: Warum war ich eigentlich nicht schon früher hier?
So ging es mir im Oktober an der Algarve. Nicht irgendwo, sondern in einer der markantesten Küstenlandschaften Europas: zwischen Carvoeiro und der legendären Praia da Marinha, dort, wo die Felsen senkrecht ins türkisfarbene Meer stürzen.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, gemütlich mit dem Bulli die französische, spanische und portugiesische Atlantikküste nach Süden zu rollen. Stundenlang dem Meer folgen, Strand für Strand entdecken – der klassische Roadtrip.
Doch diesmal war die Realität stärker: schulpflichtige Kinder, limitierte Urlaubstage, dazu der Wunsch, vor Sonnenuntergang am Ziel zu sein. Also ging es mit dem Flugzeug nach Faro.
Manchmal muss der Bulli eben zuhause bleiben.
Leider. Oder zum Glück. Beides irgendwie.

Ein Airbnb über den Klippen – zwischen Carvoeiro und weltbekanntem Postkartenmotiv
Wir hatten ein Airbnb über den goldgelben Klippen – architektonisch einfach, aber geschmackvoll. Besonders der Blick: Bereits beim ersten Rausgehen stand man praktisch vor einem der bekanntesten Fotomotive der Algarve.
Praia da Marinha – die Postkarte, die zur Realität wird
Die Praia da Marinha gilt laut mehreren Rankings (u.a. Michelin Guide, National Geographic) als eine der 10 schönsten Strände Europas.
Ein paar Fakten:
- goldgelber Sandstrand, eingerahmt von 30–40 Meter hohen Kalksteinklippen
- natürliche Felsbögen wie der berühmte M-Felsen, der auch „Elephant“ genannt wird
- kristallklares Wasser, ideal zum Schnorcheln
- natürliche Höhlen und Tunnel, die die Küste durchziehen
- seit Jahren Blaue Flagge (hohe Wasserqualität)
Von unserem Airbnb bis zur Klippe waren es keine fünf Minuten. Läuft man jedoch ein Stück weiter, erreicht man nach etwa 20 Minuten Strände, an denen man fast alleine ist. Keine Bars, kein Lärm, nur Wind, Wellen und diese unglaubliche Weite.
Es gibt schlechtere Orte für eine Wanderpause.

Lage, Logistik und ein Grill mit Meerblick
Carvoeiro liegt etwa 45 Minuten östlich von Lagos und knapp 40 Minuten westlich vom Flughafen Faro. Ein perfekter Mittelweg:
- nah genug, um mobil zu sein
- weit genug entfernt, um das touristische Zentrum zu umgehen
- ideal für Selbstversorger
Wir kochen gerne selbst, und die Küche unseres Apartments war so gut ausgestattet, dass wir kein Restaurant vermisst haben. Okay – vielleicht ein kleines bisschen. Aber spätestens der Grill auf der Dachterrasse mit Meerblick hat alles ausgeglichen.
Wichtig: Ohne Auto geht an der Algarve tatsächlich wenig. Die Wege sind weit, die schönsten Strände versteckt, und Busse fahren eher dann, wenn sie Lust haben.
Klassiker: Bootstour zu den Höhlen
Ein Muss, auch wenn man glaubt, alles schon gesehen zu haben:
Die Grotten von Benagil.
Der berühmte „Dom“ mit dem Loch in der Decke, durch das das Sonnenlicht fällt.
Mit kleinen Booten fahren die Skipper durch die Felsbögen, zeigen Spalten, Naturbrücken, Namen der Felsen und erzählen lokale Geschichten.
Es ist touristisch – ja.
Aber es ist auch beeindruckend.
Und manchmal darf man sich touristisch beeindruckt fühlen.
Lost Places über den Klippen – Fußballer-Villen und eine musikalische Hütte
Eine etwas andere Kuriosität sind die sogenannten Lost Places entlang der Klippen – halb verfallene Traumhäuser aus den 70er und 80er Jahren.
Unter anderem:
- die unfertige Villa des Fußballers Luís Figo
- das Haus, in dem Udo Jürgens viele seiner Hits geschrieben hat
Ob jede Geschichte stimmt?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Aber sie geben den Wanderungen über den Klippen einen ganz besonderen Reiz.

Vanlife an der Algarve – geht das im Oktober?
Offiziell ist Oktober Nebensaison:
- rund 20–23 Grad tagsüber
- ähnlich warme Wassertemperatur
- ruhige Strände
- weniger Verkehr
Offenes Campen ist eigentlich verboten – doch am Strandparkplatz von Marinha standen vereinzelt Vans.
Sie wurden geduldet, wirkten unauffällig, sauber und ordentlich.
Die Lage wirkte gepflegt und neu angelegt – nichts von der „Rudelbildung“, wie man sie aus manch spanischen Küstenabschnitten kennt.
Ich hoffe sehr, dass es dort so bleibt: respektvoll, ruhig und naturverbunden.
Ein Gedanke für später: Mit dem Bulli an den südwestlichsten Punkt Europas
Nach einer Woche Algarve war klar:
Ich muss hier irgendwann mit dem Bulli hin.
Aber richtig. Mit Zeit. Mit Ruhe. Mit Strecke.
Vielleicht sind sechs Wochen genug.
Vielleicht sechs Monate.
Vielleicht auch nur eine gute Saison – und viele Strände zwischen Frankreich und Portugal, die noch entdeckt werden wollen.
Die Algarve ist einer dieser Orte, die man nicht einmal besucht.
Sondern wieder. Und wieder. Und wieder.




